Sindlingen/Zeilsheim. Die einen hören auf, die anderen wollen wachsen: Der Tennisclub Sindlingen 1980 e.V. löst sich auf, der Erste Zeilsheimer Tennisclub baut eine Traglufthalle für das Wintertraining auf seinem Gelände an der Hohen Kanzel.

 

Der Sindlinger Tennisclub könnte in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiern. Er wurde 1980 gegründet, als Tennis seinen elitären Ruch verlor und einen allgemeinen Aufschwung erlebte. Als der 17-jährige Boris Becker 1985 in Wimbledon gewann und Steffi Graf 1988 alle vier Grand­Slam­Turniere, wurde Tennis nahezu zum Volkssport. Auch in Sindlingen. Allerdings beteiligte sich der Verein nicht an Wettbewerben. „Wir haben nie Medenspiele ausgetragen, sondern nur aus Spaß für uns selbst gespielt“, berichtet Karl-Dieter Becker, Kassierer und seit geraumer Zeit „Macher“ des Clubs: „Ich mache halt alles“, sagt er. Womit das Problem schon benannt ist. Der Club hat noch 14 Mitglieder, davon nehmen nur vier überhaupt noch die Tennisschläger in die Hand. „Wir sind nur noch alte Leute und die Arbeit ist zu viel. Es geht nicht mehr“, fasst Becker die Lage zusammen. In einer Generalversammlung beschlossen die Mitglieder daher vor kurzem, den Verein 40 Jahre nach der Gründung aufzulösen. Nun soll ein Notar damit beauftragt werden, die nötigen Formalien zu erfüllen und die Austragung aus dem Vereinsregister vorzunehmen.

„Schade um die Halle“, findet Karl-Dieter Becker. Der Tennisclub erhielt bei seiner Gründung Gelände auf der Bezirkssportanlage am Kreisel. Ein Kleinfeld wurde in einen Tennisplatz umgebaut und eine Halle daneben gesetzt. Damit konnten die Sindlinger sommers wie winters spielen. Das ist ein großer Vorteil gegenüber vielen anderen Vereinen, die nur über Freiplätze verfügen. In den vergangenen Jahren nutzten vor allem Externe die Möglichkeit, im Winter Tennis zu spielen. Sportler aus Hattersheim und Zeilsheim buchten hier Trainingsstunden. Die Zeilsheimer führten sogar drei Viertel ihres Kinder- und Jugendtrainings in der Sindlinger Halle durch. Versuche, mit dem Sindlinger Club zu kooperieren oder zu fusionieren, scheiterten allerdings.

Der Zeilsheimer Tennisclub suchte daher nach einer anderen Lösung. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung vor wenigen Tagen legte der Vorstand Angebote, Zahlen, Berechnungen und Erfahrungsberichte vergleichbarer Vereine vor, die ergaben: Der Club kann das stemmen, nicht zuletzt dank der „Tennisoffensive Frankfurt“. Sie besagt, dass die Stadt 50 Prozent Zuschuss zu den Anschaffungskosten zahlt, weitere Zuschüsse sind vom Land zu erwarten. Die Mitglieder votierten einstimmig dafür, eine Traglufthalle mit zwei Plätzen anzuschaffen. Der Bauantrag ist gestellt, der Förderantrag in Vorbereitung. „Das wird, im Vergleich zu unseren früheren Bauvorhaben, viel Arbeit“, weiß Vorsitzende Gudrun Katzenbach: „Aber ich bin überzeugt, das bringt uns voran.“ Geplant ist, dass die Halle in diesem Herbst erstmals aufgebaut wird, damit das Wintertraining 2020/2021 schon darin stattfinden kann.

Und was wird aus der Sindlinger Halle? „Sie geht für einen Euro an die Stadt Frankfurt“, sagt Karl-Dieter Becker. Das Sport- und Badeamt und die Bauaufsichtsbehörde waren schon da, um sie sich anzusehen. Möglicherweise könnte sie von anderen Sindlinger Vereinen, etwa dem Fußballclub Viktoria, genutzt werden. Das Wintertraining, das Hattersheimer und Zeilsheimer darin gebucht haben, soll noch bis zum Saisonende im April weiterlaufen wie gehabt. Wie es dann weitergeht, wird sich zeigen – der Sindlinger Tennisclub ist jedenfalls nicht mehr beteiligt. Das Vereinsvermögen, das am Ende noch übrig ist, geht an die Arbeitsgemeinschaft Sindlinger Ortsvereine. hn

 

 

Bus:

Tennishalle2:

Am nördlichen Rand der Sindlinger Bezirkssportanlage liegt die Tennishalle des Sindlinger Clubs.

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Das Kinder- und Jugendtraining des 1. Zeilsheimer Tennisclubs findet zum Großteil in der Sindlinger Halle statt; hier trainiert Vereinstrainer Antun Recic mit Antonia und Franz (beide vier Jahre alt).

 

Fotos: Heide Noll

Quelle: Höchster Kreisblatt