FTC Palmengarten –RW Sprendlingen 6:3

Die Quiz-Frage in Fernsehen lautete: Wer sorgt für den größten Nervenkitzel:

A: Alfred Hitchcock    B: Die Politiker vor einer Wahl    C: Die Junioren am letzten Spieltag der Hessenliga.

Der Kandidat überlegte bei dieser Frage nur ganz kurz: „Die Politiker haben so ähnliche Programme, dass viele Bürger meinen, es sei kaum ein Unterschied, wer sich in einer Koalition uneinig wird. Ergo muss es der Meister der Spannung sein, das Film-Genie Hitchcock. Doch der Kandidat irrte: Die richtige Antwort war die spannendste Junioren-Hessenliga aller Zeiten. Die beiden punktgleichen bestplatzierten Mannschaften, RW Sprendlingen und der FTC Palmengarten trafen am Berkerheimer Weg aufeinander. Der Sieger sollte die Meisterschaft erringen. Doch dann brachte das unsportliche Verhalten des TC Diedenbergen eine zusätzliche Würze in den Titelkampf: Der Absteiger trat am Riederwald mit nur drei Spielern an, schenkte sechs Matches kampflos ab, so dass die mit Sprendlingen und Palmengarten punktgleiche Eintracht Frankfurt durch den 9:0-Sieg plötzlich im Reigen um den Titel mitmischen konnte. Die Eintrachtler waren schon eineinhalb Stunden nach dem Spielbeginn auf der Anlage am Berkersheimer Weg und verfolgten gespannt das Geschehen.

Für alle drei beteiligten Teams war es ein unglaubliches Finale mit Hoffen und Bangen. Die Ausgangslage war klar: Zur Meisterschaft benötigte der Gewinner des Spitzenduells mindestens einen 6:3-Sieg. Sollte es 5:4 ausgehen, egal für wen, würde die Eintracht feiern. Beide Teams traten hochkarätig besetzt, die Gäste aus Sprendlingen waren auf Grund der Erfahrung von Matteo Feggi und Lucas Krämer, die in Darmstadt bzw. Sprendlingen Herren-Hessenliga spielen, leicht favorisiert. „Wir konnte das erste Mal in der Saison in Bestbesetzung antreten“, freute sich Trainer Klaus Schäck vor dem Spielbeginn. Die Gäste mussten zwar auf den Tschechen Andrew Paulos verzichtet, der an den US Open teilnimmt, kamen aber mit seinem ebenfalls auf der ITF-Tour erfolgreich spielenden Landsmann Petr Stavrovsky als Ersatz.

Es sollte ein Fight um jeden Ball werden. Nach den Einzeln lagen die Gastgeber mit 4:2 in Führung. Die erste Serie endete 2:1. Lennart Ostheimer schaffte mit einer soliden Leistung einen schnellen und glatten Sieg. Stefan Popovic kam durch eine clevere Spielweise und ein feines Händchen zu einem unerwartet deutlichen Sieg über Stavrovsky. Dass der zuvor in sechs Einzel-Begegnungen ungeschlagene Laurens Harnoth Manrubia gegen Lucas Krämer seine erste Saison-Niederlage erleiden würde, war zu erwarten. Doch es wurde ein richtiger Fight. Laurens war in der intensiven Partie mit langen Ballwechseln  gleichwertig. Ebenso einkalkuliert war die Niederlage des an der Schulter lädierten Luis Hochenauer, der zumindest im zweiten Satz dem Junioren-Hessenmeister Matteo Feggi tapfer Widerstand leistete. Zwischendurch sorgte der  in der gesamten Runde ungeschlagen gebliebene Tim Riedel mit einer fast fehlerfreien Führung für die 3:2-Führung. Ein Highlight war das Spitzenspiel. Filip Planinsek hatte gegen den mit schnellen Schlägen um Verkürzung der Punkte bestrebten Vitek Horak einen schweren Stand. Im Tiebreak des ersten Satzes lag er schon 2.5 zurück, gewann aber vor allem dank seiner starken Aufschläge nicht nur den Satz, sondern auch das Match gegen den bis dahin ungeschlagenen Tschechen.

„Wir haben schnell gerechnet“, erklärte Klaus Schäck. „Zur Meisterschaft brauchten wir zwei Siege, die im Falle einer Zweisatz-Niederlage des anderen Paares ohne Satzverlust sein müssten, oder, wenn unser unterlegene Paar den Match-Tiebreak erreichen sollte, einen Zweisatzsieg. Nur so konnten wir die punkt- und spielgleiche Eintracht nach Sätzen hinter uns lassen.“  Die Spannung stieg, nachdem das als Favorit gehandelte erste Doppel im Match-Tiebreak den Kürzeren zog.  Die Chancen wieder eröffnet haben die erst 16 Jahre jungen Luke Connor Heron/Lennart Ostheimer, die gegen die beiden Routiniers aus der Herren-Hessenliga als krasser Außenseiter auf den Platz ging. Doch Feggi/Krämer, die sich durch den Gewinn des ersten Satzes in ihrer Favoritenrolle bestätigt fühlten, begannen angesichts des Widerstands des um Sicherheit in den Schlägen bemühten Palmengarten-Duos nervös zu werden, machten plötzlich Fehler. Dennoch schien bei einem 5:8-Rückstand im Match-Tiebreak alles verloren zu sein. Doch Luke und Lennart kämpften: Punkt um Punkt. Der Jubel nach dem 10:8-Triumph war entsprechend groß. Und dann eilten die Sieger zum Nebenplatz, um dort zu erleben, wie Stefan Popovic/Tim Riedel mit dem benötigten Zwei-Satz-Sieg den Titelgewinn perfekt gemacht haben.

Filip Planinsek/Slowenien – Vitek Horak/Tschechien 7:6, 6:4
Stefan Popovic/Serbien – Petr Stavrovsky/Tschechien 6:2, 6:2
Luis Hochenauer – Matteo Feggi 1:6, 5:7
Laurens Harnoth Manrubia – Lucas Krämer 6:7, 3:6
Tim Riedel – Jonas Grasmück 6:1, 6:2
Lennart Ostheimer – Kai Andrei Vesic 6:1, 6:1
Planisek/Harnoth – Stavrovsky/Grasmück 6:3, 1:6, 3:10
Popovic/Riedel – Horak/Petkovic 6:3, 6:4
Luke Connor Heron/Ostheimer – Feggi/Krämer 3:6, 6:1, 10:8

Hessenliga, Junioren: FTC Palmengarten – RW Sprendlingen 6:3, Eintracht Frankfurt –  TC Diedenbergen 9:0, TC Bad Vilbel – TEC Darmstadt 3:6, SC SAFO Frankfurt – Wiesbadener THC 5:4.

Schluss-Tabelle: 1. FTC Palmengarten (Meister) 12:2 Punkte, 49:14 Matches, 102:32 Sätze, 2. Eintracht Frankfurt 12:2, 49:14, 104:36 Sätze, 3. RW Sprendlingen 10:4, 47:16,  4. Wiesbadener THC 6:8, 29:34, 5. SC SAFO Frankfurt 6:8, 25:38, 6. TEC Darmstadt 6:8, 22:41, 7. TC Bad Vilbel 2:12, 16:47, 8. TC Diedenbergen 2:12, 15:48

Von links nach rechts: Trainer Klaus Schäck, Luis Hohenauer, Luke Heron, Laurens Harnoth, Max Franusch, Stefan Topic, Lenny Ostheimer, Tim Riedel, Filip Planinsek und Stefan Popovic