Foto: Temizer 

Wir gratulieren dem FTC Palmengarten recht herzlich zu diesem Erfolg.
Besonders stolz kann das Team sein, dass der Klassenerhalt auch mit vier Spieler (Tobisch, Müller, Köke und Zielen) aus der eigenen Jugend geschafft wurde.

Bericht aus der FNP vom 16.07.2019
In Bestbesetzung wäre der TC Palmengarten wohl das stärkste Team der Regionalliga gewesen. Ersatzgeschwächt mussten die Frankfurter allerdings bis zum letzten Ballwechsel um den Klassenerhalt zittern.
VON MICHAEL LÖFFLER
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Die Regionalliga noch gehalten
Tennis Beim abschließenden Doppelspieltag wendet der TC Palmengarten den drohenden Abstieg noch ab

Frankfurt. Offiziell hatte der TC Palmengarten als Saisonziel den Verbleib in der Liga angegeben. Doch es war kein Geheimnis, dass man am Berkersheimer Weg insgeheim mit dem Aufstieg in die Zweite Bundesliga geliebäugelt hatte.
Doch in den ersten Begegnungen fehlten aus diversen Gründen die Spitzenakteure. Die Folge: Der Neuling startete in die Runde mit drei Niederlagen. Wozu die Mannschaft in Bestbesetzung fähig ist, bekam vor einer Woche der chancenlose Tabellenzweite Leingarten zu spüren. Aber für den sicheren Klassenerhalt wurden am letzten Spiel-Wochenende zwei Siege benötigt. Der Argentinier Facundo Bagnis fiel aus, er verletzte sich unter der Woche an der Schulter. Da aber ansonsten alle Leistungsträger, einschließlich des Bolivianers Hugo Dellien spielen sollten, war die Zuversicht groß. Und am Ende reichte es auch: 5:4-Erfolge gegen Spitzenreiter Waldau Stuttgart und in Sulzbachtal brachten den Klassenerhalt.
Gegen Stuttgart holte Franco Agamenone nach schnellem 0:2-Rückstand dank seiner Routine den ersten Punkt. Gegen einen starken Gegner, der kaum Fehler machte, konterte er gut, war der variablere Spieler, der Mal das Tempo rausnahm, dann wieder ans Netz vorging. Dellien sorgte sicher für den zweiten Zähler, dann kam der große Auftritt des Inders Sriram Balaji. Sein Gegner, der bis dahin ungeschlagene Franzose Samuel Bensoussan, war unheimlich flink und hatte auch eine gute Länge in seinen Schlägen. Doch „Bala“, auf der ATP-Tour als Doppelspezialist unterwegs, hat extrem viel Ballgefühl. Die Präzision, mit der er seine Stopps setzte, die Leichtigkeit, mit der er selbst die schwierigsten Volleys elegant hinters Netz legte, das begeisterte die zahlreichen Zuschauer. Bezeichnend: Mit einem Volley kam er zum Matchball, mit einem Stopp verwandelte er diesen.
Es stand somit 3:3, für den Führungspunkt sorgte dann das erste Doppel (siehe Extratext). Die beiden anderen Doppel wurden im Match-Tiebreak entschieden werden. Während im dritten Paar Niklas Zielen in der entscheidenden Phase einige Fehler unterliefen, holten die Doppelspezialisten Schmitz/Sriram Balaji gegen das stärkste gegnerische Duo den Sieg.
Starker Calvin Müller
Ohne Dellien ging es tags drauf nach Sulzbachtal. Die Lage war klar: Nachdem Leingarten beim Stand von 3:3 beim TC Bad Homburg die Doppel mit 2:1 an die Gastgeber abgeschenkt hatte, wären die Frankfurter bei einer 4:5-Niederlage als Drittletzter abhängig vom Ausgang der Zweiten Bundesliga gewesen – und bei einer höheren Niederlage sogar abgestiegen.
Drei Akteure avancierten schließlich zu den Matchwinnern der Gäste: Sriram Balaji, Franco Agamenone und vor allem Calvin Müller, mit dessen Siegen in Einzel und Doppel kaum zu rechnen war. Im engen Match-Tiebreak war sein Rückhand-Winner zur 7:6-Führung der wichtigste Schlag des 18-Jährigen, der den Gegner so unter Druck setzte. Zuvor zeigte Agamenone sein bestes Saisonspiel. Mit konstant starken Schlägen ließ er einem guten Gegner keine Chance. Ebenso souverän siegte der Inder, der erneut mit seinen Aufschlägen und Volleys beeindruckte.
Auf den Sieg von Schmitz/Sriram Balaji hatte man beim TCP gehofft. Und dann wuchs das dritte Paar über sich hinaus. Müller hatte unter der Woche intensiv mit Agamenone Doppel trainiert, was sich auszahlte. Er schlug stark auf und returnierte hervorragend, während der Argentinier dirigierte und die wichtigen Punkte im Stile eines Doppel-Spezialisten erzielte. Und somit war der Klassenerhalt dann perfekt.

Quellenangabe: Frankfurter Neue Presse vom 16.07.2019, Seite 26

Der Star ist schon auf dem Abflug – dennoch gibt es ein Happy End

Wer sich einen Tennis-Star leistet, muss auf Einiges gefasst sein – nicht nur finanziell. Der Bolivianer Hugo Dellien ist mittlerweile Nummer 83 der Welt. Für ein Team wie Regionalligist TC Palmengarten eigentlich schon eine Nummer zu groß. Doch der 26-Jährige hatte nach dem Aufstieg 2018 für diese Saison zugesagt. Eine bei den French Open erlittene Verletzung setzte ihn aber zunächst außer Gefecht. Für Wimbledon war er dann freigestellt. Einen Tag nach seinem Ausscheiden in London trainierte er aber bereits wieder in Frankfurt. Mit ihm besiegte Palmengarten den Tabellenzweiten Leingarten. Und der Bolivianer sollte auch zum für den Klassenerhalt benötigten Triumph über den Meister Stuttgart zwei Zähler beisteuern.
Der Flieger wartet
Im Spitzenspiel bezwang er Christoph Negritu glatt in zwei Sätzen. Während der Regenpause Mitte des zweiten Satzes, kurz vor 15 Uhr, teilte er Teamchef Philipp Marx mit: „Ich muss um 17 Uhr zum Flughafen, um meinen Flieger nach Schweden zu bekommen.“
Dies traf die Verantwortlichen völlig unvorbereitet. Dellien spielte sein Einzel zu Ende. Dann verabschiedete er sich von seinem zum Flughafen vorgefahrenen Begleitern. Der Coach sowie Sportwart Stephan Zielen versuchten ihn umzustimmen. Ihre Argumente, dass Dellien bei den Swedish Open in Bastad erst am Dienstag spielen müsse, stießen aber auf taube Ohren. Also trug man als erstes Doppel Dellien mit dem schwächsten der potenziellen Doppelspieler, dem jungen Oliver Tobisch, ein. Die beiden anderen Paare sollten es dann richten, wobei die Aussichten nicht gut waren.
Die Aufstellungen wurden eingetragen, die Spieler gingen auf die Plätze. Dellien saß da noch abseits, das Handy in der Hand und chattete im Internet. Plötzlich erhob er sich und ging wortlos auf den Platz. Was würde nun passieren? Wollte er spielen oder nach zwei, drei Schlägen aufgeben?
Doch dann zeigte der Profi seine Klasse. Obwohl mental nicht auf dieses Match vorbereitet, spielte er von hinten derart druckvoll, dass Tobisch immer wieder gut zum Zug kam. Das Doppel wurde gewonnen, die Grundlage zum Gesamterfolg war gelegt . . . löf

Quellenangabe: Frankfurter Neue Presse vom 16.07.2019, Seite 26