Erst der Name Boris Becker weckt die Aufmerksamkeit auf das geplante Projekt in Hochheim. Erste Zeitungsartikel vom April 2019 (siehe Bild) wurden zwar gelesen, aber nicht weiter vermerkt.

Mausert sich das Rhein-Main-Gebiet im Tennissport zur führenden Rolle in Deutschland ?

Am 7. November werden wir auf der Pressekonferenz in Mainz-Kasel mehr erfahren. Können sich die Vereine im Tennisbezirk Frankfurt schon auf das weitere Großprojekte im Tennissport im Rhein-Mai-Gebiet freuen? . Jetzt fehlt nur noch eine größere Halle oder ein geeigneter Center-Court (Bestandteil des Hochheimer Projekts?), um große Tennisturniere, wie in den 80’er Jahren im Rhein-Main-Gebiet zu platzieren.

Hier ein Artikel aus der FNP vom 25. Oktober 2019

Wird das hessische Tennis profitieren von der gigantischen Tennis-Akademie in Hochheim? Oder wird es negative Auswirkungen geben? Die Experten sind unterschiedlicher Meinung.
VON MICHAEL LÖFFLER

Großes Tennis in Hochheim
Becker-Akademie Die Rhein-Main-Region staunt über den geplanten Bau der zweitgrößten europäischen Anlage.

Dürften dann gelegentlich in Hochheim auftauchen: Akademie-Namensgeber Boris Becker (links) und Spitzenspieler Alexander Zverev. Foto: dpa

Hochheim. Eigentlich ist es kaum vorstellbar: In Hochheim, einer knapp 18 000 Einwohner zählenden Stadt im Main-Taunus-Kreis, soll die zweitgrößte europäische Tennis-Akademie entstehen. Eine gigantische Anlage mit diversen Sand- und Hartcourt-Außenplätzen sowie der größten Tennis-Halle der Welt, die 21 Courts beherbergen soll. Mit einem Internat für 270 Kinder ab zwölf Jahren, einem großen Fitnessbereich mit Schwimmbad, einem Hotel, einem „Boris-Becker-Museum“, mit Appartements für die Eltern und mit VIP-Unterkünften.
Das gewaltige Tennis-Projekt, nur von der Nadal Academy auf Mallorca übertroffen, soll mit Hilfe des früheren Weltklassespielers Boris Becker entstehen, der auch Namensgeber der Akademie sein will. „Er soll der Akademie zusätzlichen Glanz verleihen, soll auch immer wieder in Hochheim erscheinen und den Trainern seine Tennis-Philosophie vermitteln. Die Planungen laufen schon seit zwei Jahren“, sagte Initiator Khaled Ezzedine dem HR-Sport. Der Wiesbadener Immobilien-Unternehmer bezeichnet das Projekt als „seit 20 Jahren überfällig“.
Der Hochheimer Magistrat bestätigte den geplanten Bau gestern öffentlich. Von Becker gab es vorerst keine Stellungnahme. Elke Möhn, die Vorsitzende des Hochheimer STV, erklärte unserer Zeitung auf die Frage, ob der Bau einen Einfluss auf den 381 Mitglieder zählenden Verein habe: „Ich will dazu nichts sagen.“
Überraschend
Die Ankündigung kam völlig überraschend. Michael Otto, Vizepräsident des Hessischen Tennis-Verbandes (HTV) und Abteilungsleiter Tennis bei Eintracht Frankfurt, fiel nach eigenen Worten vor einer Woche „aus allen Wolken. Da wurde ich von jemand aus der geplanten Akademie angerufen. Er versicherte mir, mit dem HTV zusammenarbeiten zu wollen, bot an, Turniere mit einem großen Centre-Court für den Verband zu organisieren, Events auf dem dortigen Gelände abzuhalten. Und sagte mir, dass er Trainer aus der Region ansprechen will“. Die Abwerbung hat laut Michael Otto bereits begonnen. Bei einem seiner Trainer habe jemand angerufen, der sich als Repräsentant der Akademie ausgab und dem Trainer eine Anstellung schmackhaft machen wollte. Als er sich weigerte, seinen Namen zu nennen, habe der Trainer einfach aufgelegt.
„Wenn die so fortfahren, werden alle hessischen Vereine gegen sie sein“, betont Otto. Als Otto mit Dirk Hordorff, dem Vizepräsidenten des Deutschen Tennis Bundes (DTB) sprach, gab dieser an, davon „noch nichts gehört“ zu haben.
„Ich glaube nicht, dass viele Trainer aus der Region in Frage kommen würden“, meint hingegen Jürgen Hackauff, Geschäftsführer des Frankfurter TC Palmengarten. Das scheint auch die gegenüber dem HR gemachte Aussage von Ezzedine zu bestätigen, der von „lizenzierten Trainern, die jetzt noch nicht verraten werden“, sprach.
Hackauff, der als einstiger Bundestrainer noch gute Kontakte zum DTB hat, hörte von dem Projekt bereits vor einigen Wochen: „Erst dachte ich an eine ,Ente‘, doch dann nahmen die Informationen konkrete Formen an. Man munkelt, dass neben Becker auch Novak Djokovic und Ion Tiriac involviert sind“, berichtete Hackauff und fügte an: „Ein Faustpfand soll die Nähe zum Flughafen sein. Denn ich vermute, dass die Akademie-Schüler aus der ganzen Welt kommen werden, weniger aus der Region. Sehr stark vertreten sein dürften die Chinesen. Ich kann mir auch vorstellen, dass der DTB dort einen Stützpunkt einrichtet.“ Djokovic soll wie auch Deutschlands Topspieler Alexander Zverev angeblich bereits angekündigt haben, sich in Hochheim auf Turniere vorbereiten zu wollen, so Ezzedine.
Pressekonferenz in Mainz
Skeptisch ist Hackauff hinsichtlich der geplanten Akademie-Öffnung im Frühjahr 2021. „Es müssen nicht nur die Außenplätze und der gigantische Dome entstehen, sondern auch mindestens 350 Wohnungen für die Schüler, Lehrer und die ATP-Trainer.“ Die hessischen Clubs könnten davon profitieren: „Wir werden Verstärkungen für die in den überregionalen Klassen spielenden Mannschaften bekommen.“ Carsten Müller, Tennis-Sportdirektor bei Eintracht Frankfurt, findet die Idee für den Tennissport „cool“, fürchtet aber negative Auswirkungen für die Tennisvereine – und für die seit Jahren in Offenbach beheimatete Waske-Academy. Der ehemalige Daviscup-Spieler Alexander Waske mailte auf Anfrage unserer Zeitung aus Japan, wo er einige Academy-Mitglieder auf Turnieren betreut: „Ich habe nur etwas online gesehen. Habe null Infos darüber.“
Nähere Informationen zu dem geplanten Projekt soll es am 7. November auf einer Pressekonferenz in Mainz geben, an der neben Becker noch der designierte Akademie-Direktor Peter Schmidt, Ezzedine und Hochheims Bürgermeister Dirk Westedt teilnehmen sollen.

Quellenangabe: Frankfurter Neue Presse vom 25.10.2019, Seite 24

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