Nachwuchs auf dem Vormarsch

TENNIS Nicht nur Neo Niedner sorgt bei Hessenmeisterschaft für Furore

Offenbach. Bei den Hessischen Hallentennis-Meisterschaften in Offenbach wurden zwei neue Meister gekürt. Im Herren-Einzel unterlag in einem hochklassigen Endspiel der Bad Homburger Titelverteidiger Kai Wehnelt seinem von Eintracht Frankfurt gekommenen neuen Teamkollegen Lukas Gerch 3:6, 6:7. Bei den Damen dominierte Vivian Wolff die Konkurrenz nach Belieben.

Die Meisterschaft war stärker als in den letzten Jahren besetzt. Auf dem Vormarsch war der Nachwuchs. Vor allem bei den Herren. Da betrug der Altersdurchschnitt der acht Viertelfinalisten 20 Jahre. Dass er bei den Damen drei Jahre höher war, lag an der „alten Dame“ Natalie Pröse. Die Titelverteidigerin zählt 29 Jahre, womit sie die „Seniorin“ dieser Meisterschaft war.

Für Furore gesorgt hat vor allem der 16 Jahre junge Neo Niedner vom SC SAFO Frankfurt. „Dass er ein Riesentalent ist, war schon länger bekannt. Er spielt für sein Alter sehr clever und geduldig, ist auch schon beachtlich nervenstark“, sagte Halbfinalist Niklas Schell, nachdem Niedner im Achtelfinale den Vorjahresfinalisten und Freiluft-Hessenmeister Joel Link (TC Bad Homburg) aus dem Wettbewerb geworfen hatte. „Da gab es viele lange Ballwechsel, ich habe kaum Fehler gemacht“, sagte Niedner nach dem zweistündigen Match.

Nur drei Stunden später lieferte er sich ein weiteres Marathonmatch mit Tim Fischer (TC Bad Vilbel). Im ersten Satz lag der Frankfurter 0:3 und 2:5 zurück, gewann den Satz noch 7:5. Im zweiten Durchgang gewannen beide Spieler ihre Aufschläge, Neo setzte sich dann im Tiebreak durch. „Als er mir im ersten Spiel die Aufschläge um die Ohren schlug, dachte ich: Das vergeht. Pustekuchen. Er hat drei Stunden später immer noch so stark aufgeschlagen“, zollte Niedner dem Gegner Respekt. Fischer war der Aktivere, machte jedoch immer, wenn er zu sehr beschleunigen wollte, viele Vorhandfehler.

Im Halbfinale musste sich Niedner Titelverteidiger Wehnelt beugen. „Im kommenden Jahr will ich viele Jugend-Weltranglistenturniere spielen“, sagt der SAFO-Spieler, der das erste davon schon in der zweiten Januar-Woche in Frankfurt bestreitet. Bei dieser Veranstaltung, die die Eintracht durchführt, erreichte er 2018 das Halbfinale.

Wolff erteilt
Pröse eine Lektion

Die Entdeckung des Turniers war Vivian Wolff. Die 19-Jährige ist keine Unbekannte. Nach Stationen TC Palmengarten, Offenbacher TC und SAFO Frankfurt heuerte sie beim Deutschen Meister TC Bad Vilbel an. Die Erfolge waren noch bescheiden. Nun könnte Wolff den Durchbruch schaffen. In ihrer ersten Saison als US-Collegespielerin machte sie riesige Fortschritte. Sie ist athletischer geworden, ihre Schläge rasanter und platzierter.

Das bekam die viermalige Hallenmeisterin Natalie Pröse im Viertelfinale zu spüren. Die Favoritin führte 3:0, dann noch 4:3. Das war’s aber. Während sie zu passiv agierte, jagte Wolff die langjährige Profispielerin von einer in die andere Ecke, machte neun Games in Folge.

Besser erging es auch der Konkurrenz nicht. Wolff gab in fünf Matches nur zehn Games ab, die Hälfte der Sätze gewann sie zu Null. Im Endspiel schlug sie Silvia Ambrosio 6:1, 6:0. Die Meisterin will hoch hinaus. Ihre Ziele: „Tennisprofi, Top Ten der Weltrangliste, Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier.“Michael Löffler

Quellenangabe: Frankfurter Neue Presse vom 24.12.2019, Seite 27