Der prominente Schirmherr Boris Becker und Unternehmer Khaled Ezzedine gewähren Einblicke in die Planungen für ihre Tennis-Akademie in Hochheim. Die ganze Familie soll etwas davon haben, billig wird es nicht.
von Michael Löffler

Tennis Hotel, Riesen-Halle, Center Court: Das Mega-Projekt in Hochheim soll nicht nur Internatsschülern dienen
Akademie-Gründer: Boris Becker (li.) und Khaled Ezzedine. Foto: dpa

Die Boris Becker International Tennis Academy entsteht in Hochheim auf 48.000 qm. Bild public-star

Wiesbaden. Es ist März 2021 – ein unfreundliches, verregnetes Wochenende. Für die Frankfurter Familie Mustermann kein Problem: auf nach Hochheim, in die Boris Becker International Academy. Einchecken, ein gutes Mittagessen, auspacken. Während die beiden Söhne in der riesigen Tennis-Halle am Nachmittag Stunden bei renommierten Trainern nehmen und der Vater das Show-Match zwischen den Stars Alexander Zverev und Stefanos Tsitsipas verfolgt, kauft die Mutter für die Kinder neue Tennisschläger und lässt sich anschließend im Wellness-Center mit Massagen und Pediküre verwöhnen.

Anschließend trifft sich die Familie im Schwimmbad, um nach dem Baden noch vor dem leckeren Abendessen einen Saunagang zu absolvieren. Abends verabredet sich der eine Sohn zu einem Tennis-Match mit einem der Internatler, der andere schließt sich lieber auf Platz 21 dem Volleyballspiel an. Und die Eltern genießen entspannt den Luxus des Vier-Sterne-Hotels.

Alles in einem Jahr

Ein Szenario, wie es sich Khaled Ezzedine, so etwas wie der Vater des mit 48 000 Quadratmetern Fläche gigantischen Projektes, gut vorstellen könnte. Schließlich soll die neue Anlage nicht nur den Tennisschülern aus dem Internat dienen, sondern jedem, der sie nutzen will. „Die Finanzierung des rund 20 Millionen Euro schweren Projektes ist mit Eigenkapital sowie dank Bankunterstützung gesichert. Baubeginn ist für Januar/Februar 2020 geplant. Da wir viel mit Fertigteilen arbeiten werden, soll alles in rund einem Jahr stehen“, sagte der Investor, Projektmanager und künftige Herr der Anlage auf einer Pressekonferenz in dem von ihm in Mainz-Kastel gebauten privaten Oldtimer Museum.

Es seien viele schlaflose Nächte vorangegangen. Unkompliziert sei hingegen die Zusammenarbeit mit Boris Becker. Der frühere Wimbledonsieger, der vorige Woche am Außenband operiert wurde und deshalb an Krücken kam, war sofort Feuer und Flamme: „Meine Frage war nur, warum bisher niemand auf die Idee kam, eine Boris-Becker-Akademie zu bauen.“

Becker ist sich nach eigenen Worten der großen Verantwortung bewusst. „Ich bin der Schirmherr, werde aber auch meine Tennis-Philosophie einbringen. Wo Boris Becker geschrieben steht, soll auch Boris Becker drin sein.“ Aktiv Stunden geben wolle er nicht, doch so weit es ihm seine Pflichten als Sportchef der deutschen Tennis-Herren und als Fernsehkommentator erlauben, möchte er auch in selbst in Hochheim sein. „Die vorgesehenen 30 Trainer bekommen von mir Anweisungen, Spieler wertvolle Tipps.“ Was dem Tennis-Star wie dem Bauherren gleichermaßen am Herzen liegt, ist die schulische Ausbildung der künftigen Internats-Schüler. „Ich bin selbst Vater, weiß, wie wichtig die Ausbildung ist. Denn jedes Tenniskind, egal wie begabt, ist nur eine schlimme Verletzung vom Karriereende entfernt.“

Deshalb sei die Kommunikation mit den Eltern wichtig. Dies soll der Part von Khaled Ezzedine werden, der sein Büro in die Akademie verlegen wird, seine sonstigen Bauprojekte einschränkt und tagtäglich in Hochheim vor Ort sein wird. „Man muss eine Sache richtig machen, sonst läuft nichts“, betont der 49-Jährige, der einst selbst Tennis für GW Wiesbaden spielte.

16 sind schon angemeldet

Nun kann er wegen Kniebeschwerden nur noch Freizeit-Tennis spielen, was er auf seiner Anlage ab und an auch tun will. Öfter jedoch zuschauen. Zum Beispiel, wenn in der größten Tennis-Halle der Welt oder auf dem 2500 Besucher fassenden Center Court, der noch ausgebaut werden kann, Turniere oder Show-Kämpfe ausgetragen werden. 70 Vierbettzimmer und zusätzlich zwölf Apartments für die Eltern sollen im Internat stehen. Doch Khaled Ezzedine rechnet auch mit externen Internats-Schülern, die früh ankommen, am Vormittag wie alle anderen die Obermayr-Schule in Wiesbaden besuchen (Klassengröße zehn bis 15 Schüler) und am Nachmittag je nach Wetterlage auf den 18 Außen- und 21 Indoorplätzen Tennis üben.

Die Preise seien denen in den größten europäischen Tennis-Akademien auf Mallorca und in Nizza angepasst, so Ezzedine: rund 50 000 Euro im Jahr. Das beinhalte eine Rundumbetreuung. Die Internatler dürften sich allein nicht entfernen, höchstens mit den Eltern. „Sie lernen und essen dort, unternehmen viel gemeinsam, spielen täglich Tennis“, erklärt der Investor. Fürs erste Jahr wären 50 bis 60 Internatsschüler zufriedenstellend, 100 gut. 16 sind bereits angemeldet.

Quellenangabe: Frankfurter Neue Presse vom 08.11.2019, Seite 24