Frankfurter Neue Presse   >>>>  08.07.2016 Von ANDREAS HAUPT  >>>>>>

Tennis boomt in Frankfurt: Waren die Mitgliederzahlen 2011 mit 10 000 auf einem Tiefststand, steigen sie seitdem wieder an. Und doch müssen die Vereine ihre Jugendarbeit verstärken, um dauerhaft zu überleben.
Das ist gar nicht so leicht: Im schnellen Lauf balanciert Katharina den Ball auf dem Tennisschläger.

Katharina (8) flitzt los, die Augen immer auf den Ball gerichtet. „Den Ball dürft ihr nicht auf das kleine Dreieck neben der Bespannung legen, da liegt er ja sicher. Ihr sollt ihn balancieren. Legt ihn also auf die Schlägerfläche“, hat den Drittklässlern ihre Lehrerin gerade noch eingeschärft. Schließlich soll es fair zugehen auf der Tennisanlage des TV Heimgarten. Im Sprint rennt Katharina von der Grundlinie zum Netz vor, macht kehrt und rennt zum Eimer in der Platzmitte. Dann scharf links, zur Außenlinie und wieder zurück zum Start. In kleinen Gruppen treten die Kinder gegeneinander an, angefeuert von den Mitschülern.
Vier Tage lang sind die Engelbert-Humperdinck-Schüler auf der malerisch oben im Huthpark gelegenen Tennisanlage zu Gast, an jedem Tag ein anderer Jahrgang. Drei komplette Grundschulen nehmen am Grundschul-Cup des Hessischen Kultusministeriums teil, außerdem kleine Teams aus vier bis sechs Kindern von 19 weiteren Schulen – insgesamt 2600 Kinder, so viele wie nie zuvor.
Dass sie beim TV Heimgarten zu Gast sind, ist kein Zufall. Denn der Vereinstrainer Thomas Drohmann organisiert zusammen mit seinen Kollegen von der SMD Sport- und Tennisschule den Grundschul-Cup in Frankfurt. Die meisten Schüler standen noch nie zuvor auf einem Tennisplatz. Damit der Wettkampf auch ihnen Spaß macht, wird nicht nur Tennis gespielt. „Es gibt einen Vielseitigkeitswettbewerb, eine Station für Tennis- und Motoriktraining und eine Laufanalyse. Auf dem vierten Platz findet außerdem ein Kleinfeldturnier statt“, erklärt SMD-Tennislehrer Sven Büttner.

Mitgliederzahlen steigen
Seit rund sechs Jahren ist Tennis wieder im Kommen – zumindest im Bezirk Frankfurt des Hessischen Tennisverbands. „Wir sind der einzige der sechs hessischen Bezirke, deren Mitgliederzahl steigt“, sagt der Bezirksvorsitzende Reimund Bucher. Bereits in den 1960er und 1970er Jahren entdeckten viele Turnvereine den „weißen Sport“ für sich und machten den Elitenzum Breitensport. Ab Mitte der 1980er Jahre sorgten die Wimbledon- und andere Turniersiege von den deutschen Tennis-Ikonen Boris Becker und Steffi Graf für einen regelrechten Boom: 1994 erreichte der Tennisbezirk Frankfurt die Mitgliederzahl von 14 000. „Danach sank die Zahl der gemeldeten Spieler bis 2011 auf 10 000. Heute beträgt sie wieder 11 300“, sagt Bucher. Nach Turnen und Fußball sei Tennis die Sportart mit den meisten Aktiven in Frankfurt.
Und doch haben auch die Frankfurter Vereine ein Mitgliederproblem, sagt Bucher. „Sie müssen sich gewaltig anstrengen, um weiter bestehen zu können.“ Nur jene Vereine, die eine gute und erfolgreiche Jugendarbeit machen, könnten künftig erfolgreich sein. „Früher war es so, dass die Erwachsenen ihre Kinder mit auf den Tennisplatz nahmen und sie so an den Sport heranführten. Heute ist das umgekehrt: Über die Kinder, die mit dem Tennisspielen beginnen, kommen auch die Eltern und somit die ganze Familie auf den Platz.“
Doch den Nachwuchs für den Sport zu gewinnen werde immer schwieriger, seit die Kinder länger in der Schule bleiben, sagt Bucher: Oft kommen sie erst um 17 Uhr nach Hause – zu einer Tageszeit also, in der auch die Erwachsenen auf den Tennisplatz drängen. „Die Vereine müssen auf die Schulen zugehen. Denn dort wird der Nachmittag ja nicht nur mit Lernen verbracht.“ Fußball und Basketball seien schon in Form von Arbeitsgruppen (AGs) erfolgreich vertreten, den Tennisvereinen gelinge das noch nicht so gut.

Auf die Schulen zugehen
Helfen sollen dabei nicht nur spezielle Coachings des Landesverbands, wie die Vereine auf Schulen in ihrer Nachbarschaft zugehen können, so Bucher. „Auch der Grundschul-Cup ist ein gutes Mittel, um den Kontakt zwischen Vereinen und Schulen weiter aufzubauen.“
Zu den Neulingen auf dem Tennisplatz gehört Paulina (8). „Am Anfang war es ganz schön schwer, den Ball überhaupt mit dem Schläger zu treffen, aber dann lief es besser.“ Vor allem die hohen Bälle, über dem Kopf gespielt, seien schwer. Stolz erzählt sie, dass sie zusammen mit ihrer Freundin Camille (9) das kleine Doppelspiel 17:5 gewonnen habe. Spaß hat es auch gemacht. „Bislang spiele ich vor allem Fußball, weil das mein Bruder auch macht. Aber vielleicht fange ich mit Tennis an.“ Seit zweieinhalb Jahren steht hingegen Helena (9) bereits auf dem Platz. „Oft spiele ich mit meiner Mutter. Oder ich gehe mit, wenn Mama spielt, und übe an der Trainingswand.“ Aufschläge von oben, Rück- und Vorhand, manchmal denke sie sich kleine Trainingsspiele aus. Ihr Vorbild sind dabei nicht Profi-Spielerinnen wie Angelique Kerber oder Andrea Petkovic, sondern ihre zwei Jahre ältere Schwester.

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