Der Tennissport in Frankfurt boomt – trotz oder wegen Corona. Der Bezirk zählte im Jahr 2021 fast 1500 Mitglieder mehr im Vorjahr und plant eine Tennisoffensive 2.0.

Clara und Alia flitzen über den roten Sand und jagen abwechselnd dem kleinen gelben Ball nach. Die beiden Neunjährigen liefern sich mehrere schöne Ballwechsel und klatschen sich hinterher – coronakonform – mit ihren Tennisschlägern ab. Sie trainieren beim Frankfurter Tennisclub (FTC) Palmengarten im Stadtteil Berkersheim. Ihre Trainerin Dilara Ahmetagic ist zufrieden mit ihren Schützlingen. „Der Unterricht hat durch Corona noch mal zugenommen“, sagt die 31-Jährige. „Tennis ist beliebt, weil es eine Eins-zu-eins-Sportart ist und Technik und Bewegung verknüpft.“

Der Tennissport ist tatsächlich einer der großen Profiteure der Coronavirus-Pandemie. Als fast der gesamte Sport in den Lockdown geschickt wurde, durfte auf den Tennisplätzen weiter gespielt werden. Wenn es auch zunächst einer Intervention der Tennisverbände im Innenministerium bedurfte, weil ursprünglich auch Tennis vom Bannstrahl getroffen werden sollte. Dazu kam es jedoch nicht, und so waren die Tennisplätze in Frankfurt und Umgebung regelmäßig ausgebucht.

Alleine im vergangenen Jahr haben die Tennisvereine in Frankfurt 1500 Mitglieder mehr gezählt als im Jahr davor. „Wir haben fast wieder so viele Mitglieder wie zu Zeiten von Boris Becker und Steffi Graf“, freut sich Reimund Bucher, Vorsitzender des Tennisbezirks Frankfurt. 14 200 waren es 2021, der Rekord liegt bei rund 14 800 Anfang der 1990er Jahre. Während damals die Superstars Becker und Graf für den Tennisboom sorgten, sieht Bucher nicht alleine nur die Coronavirus-Pandemie als Mitgliedertreiber.

„Die Vereine haben die Basis dafür geschaffen, dass überhaupt Tennis gespielt werden konnte“, betont er. Deswegen sei Frankfurt auch besser aufgestellt als viele Bezirke im Umkreis. Mit der 2015 gestarteten Tennisoffensive wurden 12,5 Millionen Euro in die verschiedensten Plätze investiert. Sechs Millionen trugen dabei die Vereine, 6,5 Millionen Euro kamen als Fördergeld von Stadt und Land. Sieben Hallenplätze wurden renoviert, 19 Hallenplätze sowie elf Außenplätze neu gebaut. Der FTC Palmengarten hat Anfang November eine neue Traglufthalle über drei Plätze errichtet, um auch im Herbst und im Winter genügend Plätze zu haben. Kostenpunkt: rund 600 000 Euro.

„Wir haben mittlerweile wieder 22 Jugendmannschaften“, berichtet Jürgen Hackauff, Geschäftsführer des FTC und früherer Bundestrainer. Als er im Verein angefangen habe, seien es drei gewesen. „Wir haben mit guten Trainern, mit einem ‚Tag der offenen Türen‘ für Tennis geworben“, sagt Hackauff. Durch das leistungsorientierte Training beim FTC ist auch der Schritt zum Profitennis möglich. „Es gibt auch die Möglichkeit, an ein College zu gehen“, ergänzt Dilara Ahmetagic. Im Tennis steht und fällt der Erfolg allerdings ganz klar mit dem Engagement – auch dem finanziellen – der Eltern, die ihre Kinder für Turniere anmelden, das Training bezahlen und für die nicht ganz billige Ausrüstung sorgen müssen.

Trotz des Mitgliederbooms sei die Lage in den Vereinen doch sehr unterschiedlich, beobachtet Bucher. In den vergangenen Jahren hat der Tennisbezirk Frankfurt acht Vereine verloren, aktuell sind es 42. Die Strukturen in den Vorständen sind höchst unterschiedlich. In vielen Vereinen lässt sich schwer Nachwuchs für das Ehrenamt gewinnen. Bucher selbst wird im nächsten Jahr 80 und will den Staffelstab demnächst weitergeben.

Trotzdem hat er schon die Tennisoffensive 2.0 ausgerufen. „Die Stadt Frankfurt erwartet bis zum Jahr 2030 rund 40 000 mehr Einwohner. Das bedeutet rund 2000 neue Tennisspieler“, rechnet Bucher vor. Dafür brauche es 40 weitere Tennisplätze in der Stadt. „Wir wollen uns aktiv in die Stadtplanung miteinbringen“, sagte Bucher. Die Vereine sollten in die Ortsbeiräte gehen und für ihre Anliegen werben. Das sei in der Vergangenheit nicht gemacht worden. „Mitmachen statt meckern“ lautet das Motto des Frankfurter Tennisbezirks für die kommenden Jahre.