Neben den Profis trifft das aktuelle Sportverbot in Folge der Coronavirus-Pandemie auch die Tennis-Amateure, deren Saison demnächst beginnen sollte. Zur Situation im hessischen Tennis äußert sich Michael Otto, Vizepräsident des Hessischen Tennis-Verbandes, Leiter des Ressorts Marketing und Öffentlichkeitsarbeit und der Tennis-Abteilung von Eintracht Frankfurt im Interview mit unserem Mitarbeiter Rolf-Joachim Rebell.

Herr Otto, das öffentliche Leben steht fast still, an eine normale Medenspielrunde 2020 ist nicht zu denken. Der Deutsche Tennis-Bund hat die Bundesliga komplett abgesagt. Eigentlich hatten viele Vereine im April ihre Saisoneröffnung geplant. Wie könnte es weitergehen?

Die Situation, in der wir uns gerade befinden, ist außergewöhnlich. Einschränkungen des öffentlichen Lebens, wie sie die Corona-Pandemie derzeit nötig macht, hat wohl keiner von uns je erlebt oder gar für möglich gehalten. Die physischen sozialen Kontakte so weit wie möglich zu reduzieren, fällt schwer – gerade uns als „Vereinsmenschen“. Doch die Situation ist ernst und wir vom
Hessischen Tennis-Verband gehen diese auch mit viel Bedacht und dem nötigen Respekt an. Es wurde eine Corona-Arbeitsgemeinschaft, also sozusagen ein Krisenstab, eingerichtet, um alle relevanten Sachverhalte, Anfragen und den Unterstützungsbedarf zu sammeln und Entscheidungen des Präsidiums vorzubereiten. Diese wird zweimal die Woche in einer Online-Konferenz tagen, um schnell informieren und Fragen beantworten zu können.

Der Punktspielbetrieb in der Winterrunde wurde komplett abgebrochen, im Mai wird es sicher keine Veranstaltungen geben. Welche Pläne haben Sie?

Es ist in der aktuellen Situation sehr schwer, zu planen. Im Grunde leben wir aktuell alle von Tag zu Tag und warten auf Informationen der  Gesundheitsbehörden und übergeordneten Institutionen. Wir richten uns hier nach den aktuellsten Entwicklungen und Empfehlungen des DTB, wonach der Start des kompletten Mannschafts-Wettspielbetriebs für den 8. Juni geplant ist.

Wenn der 8. Juni nicht zu halten wäre, ist auch eine verkürzte Saison nach den Sommerferien denkbar?

Natürlich arbeiten wir aktuell auch an alternativen Plänen wie zum Beispiel einer Abwicklung des Spielbetriebs nach den Sommerferien. Aber das sind alles natürlich nur Überlegungen, die wir machen müssen, um gut vorbereitet zu sein. Der Mannschafts-Wettspielbetrieb ist für uns, unserer Mitglieder und
Vereine einfach zu wichtig, um nicht vorbereitet zu sein.

Das Aushängeschild des Verbandes ist die Hessenliga, die Anfang Juli beginnen soll. Gehen Sie noch von einer geregelten Punktrunde aus?

Stand heute planen wir die Hessenliga Damen und Herren wie terminiert stattfinden zu lassen. Dies würde der bereits ausgearbeitete Zeitplan ab 8. Juni auch problemlos zulassen.

Es wird viel über ein Milliardenpaket der Bundesregierung für die Wirtschaft gesprochen. Wenn Vereine in finanzielle Schwierigkeiten geraten, wie kann ihnen der Verband helfen?

Wie groß die Einbußen für die insgesamt rund 7600 Sportvereine in ganz Hessen sein werden, lässt sich derzeit noch nicht absehen. Sicher ist: Es geht um einen Millionenbetrag als Soforthilfe. Der Landessportbund Hessen ist deshalb bereits im Gespräch mit dem Hessischen Innenministerium, um Möglichkeiten der finanziellen Hilfe für das Sportland Hessen zu klären.

Sie haben das Schulungs- und Leistungszentrum des Verbandes auf der Offenbacher Rosenhöhe erst einmal geschlossen und den Trainingsbetrieb eingestellt. Was passiert mit den Trainern in allen Vereinen, deren wirtschaftliche Existenz in den kommenden Wochen und Monaten in Frage gestellt sein könnte?

Gerade in diesen schwierigen Zeiten bitten wir auch um Solidarität gegenüber den Vereinen, den Trainerinnen und Trainern sowie den Hallenbetreibern. Denn auch sie stehen derzeit vor großen Herausforderungen: Auch wenn der Sportbetrieb eingestellt ist, müssen die Vereine und Hallenbetreiber weiterhin für Miete oder Unterhalt ihrer Sportstätten aufkommen. Selbstständige Trainerinnen und Trainer müssen um ihre Existenz bangen. Gerade jetzt ist es daher wichtig, dass wir unsere Tennisgemeinde unterstützen, anstatt vorschnell auszutreten oder anteilige Rückforderungen zu stellen. Es gibt gerade Wichtigeres als den Sport. Aber wir können dazu beitragen, diese außergewöhnliche Situation zu meistern. Zeigen wir deshalb, was uns der Sport gelehrt hat: Fairness, Solidarität und Teamgeist!

Der Saisonstart ist zunächst einmal auf den 8. Juni verschoben

Eigentlich hätten in den meisten Tennis-Spielklassen in Hessen am
Wochenende 9. / 10. Mai die ersten Punktspiele von der Hessenliga
bis hinunter zur Kreisliga B beginnen sollen. Doch bis auf weiteres
ist der Saisonstart erst einmal bis zum 8. Juni verschoben worden.
Die Verantwortlichen des Hessischen Tennis-Verbandes (HTV) sind
damit einer Empfehlung des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) gefolgt.
Auch alle Turniere vor dem 8. Juni sind abgesagt worden. Ob im Juli
die höchste Spielklasse, die Hessenliga der Damen und Herren,
gespielt werden kann, ist fraglich. Die Verantwortlichen wollen die
Entwicklung in den nächsten Wochen abwarten.

Immerhin reagierte der Verband auf die aktuellen Entwicklungen und
Empfehlungen des DTB nicht gleich mit einer General-Absage wie so
viele andere Sportverbände.

Die Durchführung der Medenrunde habe für die Verbandsverantwortlichen „oberste Priorität“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung. Hessen- und Bezirksmeisterschaften würden hinten anstehen. „Unser Bestreben ist es auf jeden Fall, die Saison sportlich durchzuführen“, lässt HTV-Präsident Kai Burkhardt verlauten, „aber wir müssen die gesamte Entwicklung abwarten.“

Sollte die Punktrunde nicht gespielt werden können, würde den Bezirken und Kreisen alleine durch die fehlenden Einnahmen aus den Ballgeldern ein sechsstelliger Betrag fehlen.

Bei einer möglichen Aufhebung der Kontaktsperre wiederum könnte Tennis eine der wenigen Sportarten sein, die man vermutlich ohne größere Infektionsgefahren austragen könnte – zumindest die Einzel-Wettbewerbe. Da die Medenrunden unter normalen Bedingungen ohnehin erst im Mai starten, wäre eine Ausdehnung der Punktspiele bis in den Spätherbst sicherlich eine Option, mit der die Vereine und Spieler gut leben könnten.

Weil die Entwicklung in Zeiten von Corona völlig offen ist, stehen derzeit lediglich Ideen und Gedanken zur Problemlösung hinsichtlich des Spielbetriebs im Raum. Eine dieser Varianten sieht die Verkleinerung der Gruppen von acht auf sechs Teams und somit die Reduzierung der Spieltage auf fünf vor. Voraussetzung wäre dann aber eine komplette Neueinteilung der Gruppen. rjr/mor/awo

Quellenangabe: Frankfurter Neue Presse vom 31.03.2020, Seite 21