Tennis Khaled Ezzedine, Macher der Becker-Akademie, über die großen Pläne in Hochheim

Ein gigantisches Tennis-Areal soll in rund einem Jahr in der Frankfurter Straße in Hochheim entstehen – mit einem prominenten Namensgeber und Schirmherrn. Geplant wird die „Boris Becker International Tennis Academy“ von Khaled Ezzedine, mit der größten Indoor-Tennishalle der Welt als Herzstück, zahlreichen Freiplätzen, Hotel und Restaurant sowie einem Boris-Becker-Museum. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Michael Löffler berichtet der 49-jährige Immobilienunternehmer aus Wiesbaden von dem spektakulären Großprojekt.

Wie und wann entstand die Idee für die Akademie?

Ich war schon immer passionierter Tennisfan und verfolge den Sport seit Jahrzehnten. Meine elf Jahre junge Tochter und mein um zwei Jahre älterer Sohn besuchen eine von zwei großen europäischen Tennisakademien in Nizza. Ich habe mich immer gefragt, warum im Land von Boris Becker und Steffi Graf der weiße Sport so an Bedeutung verlieren konnte – auch wenn der Erfolg mit Angelique Kerber und Alexander Zverev zuletzt zurückgekommen ist. Ich war und bin überzeugt, dass uns in Deutschland eine gute Nachwuchsarbeit fehlt. Hier im Rhein-Main-Gebiet haben wir aufgrund der Nähe zum Frankfurter Airport als eines der weltweit größten Luftfahrtdrehkreuze die besten Voraussetzungen für eine Akademie auf Welt-Niveau. Dieses Potenzial möchte ich mit der neuen Anlage ausschöpfen.

Wie kam Boris Becker ins Spiel? Kannten Sie sich schon früher?

Nein, aber ich wusste, dass Boris Becker als Visionär große Ideen erkennt. Daher war ich mir sicher, ihn für die Idee begeistern zu können. Nicht nur als Namensgeber und Schirmherr, sondern auch als denjenigen, der seine Trainingsphilosophie in diesem einzigartigen Projekt einbringen und umsetzen kann.

Ist auch der DTB im Boot? Wenn ja, wie?

Wir sind natürlich mit allen Stellen und Organisationen in Deutschland im Gespräch, die wichtig für den Tennissport sind. Deshalb auch mit dem Deutschen Tennis-Bund. Eine konkrete Zusammenarbeit ist aktuell noch nicht vereinbart. Bis zum Start haben wir aber noch eine Weile Zeit.

Haben Sie sonst mit dem Sport zu tun?

Ich bin, wie gesagt, nicht nur ein passionierter Tennis-Fan, sondern als Vater talentierter Kinder, die eine internationale Tennisakademie besuchen, sogar etwas tiefer in der Szene vernetzt. In erster Linie bin ich aber Geschäftsmann, der das Potenzial erkannt hat, mit dieser Akademie eine Marktlücke zu schließen – national wie international.

Werden Ihre Kinder auch Schüler der Akademie sein?

Aktuell besuchen sie die Akademie in Nizza. Natürlich werden sie dann in die Boris Becker International Tennis Academy wechseln.

Für wen ist die Akademie überhaupt in erster Linie angedacht?

Die Akademie richtet sich in erster Linie an junge Nachwuchstalente, die hier auf höchstem Niveau gefördert werden und hoffentlich den Sprung in den Profi-Zirkus schaffen. Aber wir gehen auch davon aus, dass hier auch nationale und internationale Weltklassespieler phasenweise oder dauerhaft trainieren werden.

Gab es schon ein Echo aus dem Ausland?

Ja, das gibt es. Von Investoren und Spielern ebenso wie von interessanten Kooperationspartnern. In erster Linie aber natürlich von interessierten Eltern. Mehr möchte ich dazu aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.

Soll es eine Zusammenarbeit auf regionaler Ebene geben?

Als Tennis-Akademie im Herzen des Rhein-Main-Gebiets wollen wir uns natürlich auch regional engagieren und hier die Menschen begeistern. Deshalb können wir uns regionale Zusammenarbeit mit Verbänden und Vereinen nicht nur vorstellen, sondern streben diese auch an.

Es ist ein gigantisches Projekt. Ist es Ihr größtes?

Absolut – und auch das erste mit so großer öffentlicher Wirkung.

Was soll das Projekt kosten, wie groß wird die Anlage genau?

Wir investieren insgesamt 20 Millionen Euro – die gesamte Anlage wird am Ende rund fünf Hektar groß sein.

Haben Sie sich vorhin andere Tennis-Akademien angeschaut, um Erfahrungen für den Bau zu sammeln?

Ja, natürlich. Wir haben uns sämtliche Anlagen angesehen, von den USA über Europa bis in Asien. Wie schon angedeutet, habe ich als Vater zweier Akademie-Schüler einen Live-Einblick, der von unschätzbarem Wert ist.

Wie kamen Sie auf Hochheim?

Hochheim verfügt über eine strategisch perfekte Lage im Herzen des Rhein-Main-Gebiets. Wir sind von hier in einer Minute auf der Autobahn und in 15 Minuten am Flughafen. Außerdem hat uns die Stadt mit offenen Armen empfangen und steht voll und ganz hinter diesem Projekt.

Ihre Tätigkeit wird wohl mit der Fertigstellung der Anlage nicht beendet sein. Wie sehen Ihre Aktivitäten aus?

Als CEO (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied, Anmerkung der Redaktion) habe ich die Gesamtverantwortung für das Projekt. Ich bin aber in erster Linie Geschäftsmann. Für die wichtigen Führungsebenen und Schnittstellen des Projekts haben wir Experten verpflichtet. Als Verwaltungsdirektor wird Peter Schmidt fungieren.

Wann soll der Bau beginnen, wann fertig werden?

Der Bau soll so schnell wie möglich beginnen, da wir bereits Ende 2020 die Eröffnung feiern möchten. Ich gehe davon aus, dass noch in diesem Jahr die Vorbereitung auf dem Areal beginnen.

Quellenangabe: Frankfurter Neue Presse vom 01.11.2019, Seite 24