„Harmonie als Schlüssel zur erfolgreichen Zusammenarbeit“

Quellenangabe: Frankfurter Neue Presse vom 06.04.2020, Seite 20 / Michael Löffler
TENNIS Alexander Waske erklärt zehn erfolgreiche Akademie-Jahre und warum er keine Roboter ausbildet

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Auch außerhalb von Offenbach im Einsatz: Alexander Waske 2018 als Coach von Andrea Petkovic in Key Biscayne.Foto: Imago images

Die in Offenbach beheimatete Alexander Waske Tennis-University feiert ihr zehnjähriges Jubiläum. Im Moment still und leise, denn der Betrieb ruht wegen der Corona-Krise wie alle anderen Sportveranstaltungen. Sobald die Bundesliga-Fußballer den Betrieb wieder aufnehmen, will der University-Boss beim Sportamt nachfragen, ob er nicht zumindest mit den Profis das Training aufnehmen könnte. Derzeit muss der gebürtige Frankfurter und frühere Daviscup-Spieler Waske wegen der Zwangspause längere Zeit daheim verbringen – und hat dabei ein Interview mit unserem Mitarbeiter Michael Löffler geführt.

Was hat sich in zehn Akademie-Jahren geändert?

In den ersten Jahren lag der Schwerpunkt klar auf Profi-Tennis. Wir haben Angelique Kerber und Andrea Petkovic in die Top-Ten der Weltrangliste gebracht, Cedrik Marcel Stebe hat sich innerhalb von neun Monaten von Position 470 auf 72 verbessert, Tommy Haas bei seinem Comeback unterstützt und ihn gleich beim ersten ATP-Turnier nach der Pause ins Finale gecoacht. In den letzten Jahren hat sich unser Schwerpunkt etwas verteilt, wichtig ist nun auch die Jugendarbeit.

Wie viele Tennis-Schüler sind bei Ihnen aktuell?

Wir arbeiten sehr individuell und suchen ganz bestimmte Charaktere als Spieler. Ganz oben steht eine hohe Eigenmotivation. Jeder Interessierte wird eingeladen, gescoutet, von unserem Trainerstab getestet. Er muss nicht nur talentiert sein, sondern auch zu uns passen. Wir müssen von ihm ebenso überzeugt sein wie er von uns. Aus rund 90 Bewerbern haben wir ein Dutzend Zwölf- bis Dreizehnjährige ausgesucht, die bei uns ganztägig in einer Art Internat leben.

Wie sieht die Betreuung aus?

Sie wohnen in der Nähe des Landesleistungszentrums Offenbach-Rosenhöhe, wo wir ein Haus angemietet haben. Sportlich verbringen sie wöchentlich acht Einheiten auf dem Tennisplatz, vier weitere im Athletikbereich. Sie werden in ihrem Heim rund um die Uhr pädagogisch betreut. Die Anreise zur Schule erfolgt mit unserem Bus in ein Privat-Gymnasium nach Mannheim, das uns die Flexibilität gibt, auch auf Turnierreisen ins Ausland zu gehen und den Stoff dann nachzuarbeiten. Außerdem sind bei uns einige ältere Jugendliche und Amateure, phasenweise auch viele internationale. Mit ihnen trainieren wir im Sommer auf diversen Offenbacher Anlagen, im Winter auf der Indoor-Anlage im Hotel Kempinski in Gravenbruch. Hinzu kommen rund 30 Profis, die von uns betreut werden. Für sie haben wir Plätze im HTV-Zentrum auf der Rosenhöhe angemietet.

Können Sie einige Namen der bereits erfolgreichen Spieler nennen?

Bei den Herren die belgischen Davis-Cup-Spieler Ruben Bemelmans und Joris de Loore, die indischen Davis-Cup-Spieler Prajnesh Gunnesvaran und Sriram Balaji und der tschechische Davis-Cup-Spieler Jonas Forejtek. Der war im vergangenen Jahr Nummer eins der U18-Weltrangliste, gewann 2019 bei den Junioren drei Grand-Slam-Titel. Wie alle Talente aus meiner Akademie habe ich ihn an umliegende Vereine vermittelt. Jonas spielte für Eintracht Frankfurt. Mit dem aus Lettland stammenden Karlis Ozolins (SAFO Frankfurt Anm. d. Red.) haben wir ein weiteres Ausnahmetalent bei uns. Aktuell ist er die Nummer sechs der U18-Weltrangliste, erreichte bei den Australian Open im Doppel das Finale und im Einzel das Halbfinale. Stefan Popovic (TC Palmengarten, Anm. d. Red.) stand im Finale der U16-EM.

Schaut man sich die Spielernamen auf Ihrer Homepage an, fällt auf, dass darunter viele Inder sind. Wie kommt es?

Wir genießen dort einen ausgezeichneten Ruf. Sriram Balaji war unser erster Spieler, berichtete dort, wie gut es ihm gefällt. Seitdem schicken indische Eltern ihre Sprösslinge gern zu uns. Ich habe in Ahmedabad sogar eine zweite Akademie gegründet. In den vergangenen 14 Monaten war ich fünfmal dort. Ansonsten ist abwechselnd immer einer unserer Trainer dort.

Apropos Trainer. Wie viele gibt es in der Akademie?

Unser Trainerstab umfasst außer mir neun Trainer, hinzu kommen drei Fitnesstrainer, die frühere Deutsche Meisterin Petra Winzenhöller als Ernährungsberaterin, Nino Natalini als Physiotherapeut, Dr. König als Orthopäde und Michael von Kunhardt als Mentaltrainer.

Stehen Sie täglich auf dem Platz, um mit den Profis zu trainieren?

Wenn es die Zeit erlaubt, bin ich auch auf dem Platz. Ich muss mich aber viel um die Organisation kümmern, außerdem die Spieler zu Turnieren begleiten. Denn eines muss ich klarstellen: Wir geben keine Trainerstunden, wir betreuen Spieler, das ist etwas ganz anderes.

Was ist der Unterschied?

Wir betreuen sie ganzjährig, begleiten sie zu Turnieren. Unser Head-Coach Björn Simon kümmert sich um die beiden belgischen Davis-Cup-Spieler sowie unser indisches Talent Hanu Patel (TC Bad Vilbel, Anm. d. Red.), unser Senior-Coach Bastian Suwanprateep ist für den Top 100 Spieler Gunneswaran, Porsche Talent Team Spielerin Jule Niemeier und Jonas Forejtek zuständig. Viele Spieler wohnen bei uns, aber die Jahrespläne und Periodisierungen sind meist verschieden. Es müssen auch Wochen mit der Priorität im Athletik-Bereich eingestreut werden, die die Basis für eine lange, erfolgreiche Saison sind. Neben langfristigen Zielen erarbeiten wir die täglichen Trainingspläne immer erst am Tag davor. Je nachdem, ob Turniere anstehen, wie sich der Spieler gesundheitlich fühlt, richten sich Inhalt und Dauer des Trainings. Wir wollen keine Roboter. Die Trainingsinhalte werden auf ein Whiteboard geschrieben, damit jeder Spieler Drills und Schwerpunkte klar vor Augen hat.

Was ist beim Nachwuchs besonders zu beachten?

Um mit der jüngeren Generation effektiv zu arbeiten, muss man den Spielern einerseits den Handygebrauch untersagen, und es andererseits auch zu etwas Positivem nutzen. Wir vergeben Hausaufgaben. Man soll zum Beispiel bis zum nächsten Training im Internet drei Spieler oder Spielerinnen finden, die bestimmte Elemente wie Aufschlag, Laufarbeit, Rückhand oder Volleys besonders gut können und uns dann sagen, was man von diesen lernen kann. Es macht Riesenspaß, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Wichtig ist, dass es auch ihnen Spaß macht, mit uns zu arbeiten. Denn die Harmonie ist der Schlüssel zur erfolgreichen Zusammenarbeit.

Quellenangabe: Frankfurter Neue Presse vom 06.04.2020, Seite 20

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Zur Person Alexander Waske

Alexander Waske (45) begann mit dem Tennis beim SC 80 Frankfurt, wo er zunächst von Vater Andreas trainiert wurde. Sein erfolgreichstes Jahr war 2005, seine fünfte Profi-Saison, als er im Doppel das Halbfinale in Melbourne sowie das Viertelfinale in Wimbledon erreichte und mit Deutschland den World Team Cup in Düsseldorf gewann. 16. war er 2007 in der Doppel-Weltrangliste. Seine Daviscup-Bilanz ist mit 7:1 im Doppel und 1:0 im Einzel sehr gut. 2012 beendete eine schwere Schulterverletzung seine Profi-Karriere. Als Senior gewann er mit den Herren 40 von BW Bohlsbach mehrmals die Deutsche Meisterschaft. löf

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