TENNIS – International besetztes Turnier beim SC 80 bietet erstklassigen Sport

Frankfurt – Es war ein echtes Tennis-Highlight: Fünf Tage lang wurde auf vier Plätzen beim SC 80 Frankfurt wirklich gutklassiger Sport geboten. Schade, dass wegen der Corona-Pandemie aus Sicherheitsgründen außer Mitgliedern der „80er“ keine Zuschauer zugelassen waren. Denn ein mit europäischen Profis bestücktes Tennis-Event ist in der Main-Metropole rar gesät. Vor diesem „International Premiere League Masters“ war es zuletzt der Davis-Cup gegen Ungarn im Februar 2019.

Die mit insgesamt 150 000 Euro dotierte und unter dem Motto „von Spielern für Spieler“ konzipierte International Premiere League (IPL) richtet sich in erster Linie an Profis jenseits der Top-100 der Weltrangliste, denen die Möglichkeit gegeben wird, in der turnierlosen Zeit Spielpraxis zu sammeln und Geld zu verdienen.

Die 5000 Euro, die für den Sieg im Frankfurter Masters ausgelotet wurden, verdienten sich am Ende die Favoriten. Bei den Herren besiegte im als Champions-Tiebreak gespielten Finale der 27 Jahre alte Russe Alexei Vatutin (ATP-Rangliste 214) den um einen Jahr älteren belgischen Davis-Cup-Spieler Arthur De Greef (ATP 284) deutlich mit 10:3, 10:2. Bei den Damen setzte sich die in der IPL in 16 Spielen ungeschlagene niederländische Fed-Cup-Spielerin Quirine Lemoine (432) ebenso deutlich gegen die für Wanne-Eckel in der Regionalliga spielende Russin Ekaterina Makarova durch.

Die IPL startete vor einem Monat in Halle/Westfalen. Initiiert wurde das größte deutsche Turnier seit der Pandemie-Pause von Andre Begemann. Der vor knapp einem Jahr aus Frankfurt nach Bad Soden umgezogene Doppelspezialist, der an der Seite des Rumänen Florin Mergea (Doppel-Finalist bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio) bei den French Open den ersten Schritt zur Rückkehr in die Top-50 der Welt machen will, sah mit großer Sorge, dass es den Spieler an Einsätzen fehlte und somit auch keine Einnahmen generiert werden konnten. Nachdem sowohl Sponsoren als auch TV-Präsenz gesichert waren, stand dem Start der Serie nichts im Wege.

Vier Turniere, meistens auf Sand, einige Matches auf Hartcourt, wurden in Halle/Westfalen absolviert, die Sieger konnten sich für Frankfurt qualifizieren. Unterstützt in der Organisation wurde Begemann von seiner Frau Alessa sowie dem Bad Homburger Tennis-Profi Julian Lenz. „In der ersten Woche war die Beteiligung sensationell“, erzählten Begemann und Lenz unisono. Spieler wie der Georgier Nikoloz Basilashvili (ATP 27), Jan-Lennard Struff (ATP 34) oder Philipp Kohlschreiber (ATP 74) nutzten auf dem Hardcourt die Chance, sich für die US Open einzuspielen. Besonders engagiert war Mischa Zverev. Der Australian Open-Viertelfinalist von 2017 war auch für das Masters qualifiziert, für das er aber aus privaten Gründen kurzfristig absagen musste.

Eine Chance für Spieler aus der Region

In Frankfurt fehlten mehrere qualifizierte Spieler, denn inzwischen laufen die ATP- und WTA-Turniere wieder, so dass viele der Möglichkeit, Weltranglistenpunkte zu erringen, den Vorzug gaben. Das tat dem Masters aber keinen Abbruch. Dominik Metzger, Sportchef des Ausrichters, der dank seiner Verbindung zu den Turnierchefs das Masters nach Frankfurt holte, nutzte aber auch die Möglichkeit, Spielern aus der Region Gelegenheit zu einem Kräftemessen mit internationalen Profis zu verhelfen. „Als ich am ersten Tag gegen De Greef antrat, den ich beim Davis-Cup in Frankfurt spielen sah, war das ein unglaubliches Erlebnis“, sagte der 18 Jahre junge Lokalmatador Neal Lasowski. „Für meinen Verein SC 80 habe ich in dieser Saison gegen Steven Moneke gespielt, einem ehemaligen Profi. Doch hier wehte noch ein anderer Wind. Die Schläge der Gegner hatten eine ganz andere Qualität. Ich bin happy, Erfahrungen gegen solche Spieler sammeln zu können.“

Regulär qualifiziert war die seit einem Jahr in Frankfurt lebende und in der Tennis-Academy bei Alexander Waske trainierende Romy Kölzer. „Eine tolle Möglichkeit Spielpraxis zu bekommen und ein bisschen Geld zu verdienen. Das Niveau war schon sehr hoch. Und die Organisation perfekt“, schwärmte die für Leverkusen in der Bundesliga spielende 29-Jährige.

In Frankfurt halfen viele Vereinsmitglieder bei der Durchführung, fünf Schiedsrichter sorgten für einen reibungslosen Ablauf der Matches. Spieler, Turnierfunktionäre und Schiedsrichter waren kostenlos im Hotel des Titelsponsors Ameron Neckarvillen untergebracht. Nur einige der zahlreichen einheimischen Cracks, die qualifiziert oder als Ersatz in einigen Spielen eingesprungen waren, nächtigten wie gewohnt zuhause. „Ich hätte nie gedacht, noch einmal an einem so großen Turnier teilzunehmen“, freute sich die frühere Hessenmeisterin Noemi Hemmerich vom SC SAFO Frankfurt. „Wenn ich gegen stärkere Gegner antrete, als ich es bin, spiele ich normalerweise immer besser als gegen unterlegene Widersacherinnen. Das war toll!“ michael löffler